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Zukunft wagen – Ein Plädoyer für mutige Visionen

Das neue Universum

Klaus Bürgle - Retro-Futurismus

Das 100-jährige Jubiläum des Bauhauses kommt genau zur rechten Zeit. Mit dem Motto „Die Welt neu entdecken“ bietet es eine ideale Gelegenheit, an die Aufbruchsstimmung und Experimentierfreude der Bauhäusler anzuknüpfen und dem aktuellen Diskurs zur Stadt der Zukunft neues Leben einzuhauchen. Denn als Labor für visionäre Ideen und Schmelztiegel für Utopisten aller Art machte sich die berühmte Designschule unentwegt daran, neue Wege zu erkunden – methodisch und konzeptionell.

Von visionären Spielereien zum „post-utopischen“ Zeitalter?

Nasa

Heute ist von den visionären Energien der 1920 bis 1960er Jahre  nicht mehr viel übrig geblieben. Statt mit radikalen Stadtutopien und Zukunftsbildern zu experimentieren, erleben wir einen gewissen Pragmatismus und Pessimismus, wenn es um Zukunft geht. Immer wieder ist vom 21. Jahrhundert als „post-utopisches“ Zeitalter die Rede (Pinder 2002).

 

Zwar wurden die meisten der damals entwickelten Ideen und Utopien, wie die Walking City von Archigram oder die futuristischen Bilderwelten von Klaus Bürgle, nie realisiert. Doch dafür schufen sie neue Perspektiven und erschlossen alternative Denk- und Möglichkeitsräume. Es wurde groß gedacht, fernab geltender Konventionen. Aber vor allem wurde positiv gedacht und Lust auf Zukunft geweckt. Dieser hoffnungsvolle Weitblick und die Offenheit für alternative Zukünfte fehlen uns heute. Statt fantasievoller Visionen mit gesellschaftlichem Impetus steht vielerorts das Lösen aktueller Problemlagen im Mittelpunkt. Die Frage, was wir uns für die Zukunft wünschen und wie wir zukünftig leben wollen, wird kaum gestellt.

 

Was sind die Gründe für diese Zukunftsverdrossenheit? Rutger Bregman argumentiert in seinem  Buch „Utopien für Realisten“ (2017), dass es uns schlichtweg zu gut gehe, um uns eine bessere Zukunft vorstellen zu können. Aber nicht nur das. Auch die wachsende Komplexität globaler Herausforderungen erweckt immer mehr den Anschein von Perspektiv- und Ausweglosigkeit, dem nur mit viel Mühe etwas Positives entgegengesetzt werden kann (vgl. Beck 2016; Bude 2016). Jetzt kann man in diesem Zustand der Überforderung natürlich vollends aufgehen, das hilft nur nicht.